70 Beamte fordern Ehrung von Nazi-Diplomaten

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eröffnet am: 29.03.05 09:07 von: Schwertfege. Anzahl Beiträge: 54
neuester Beitrag: 01.04.05 16:03 von: BarCode Leser gesamt: 2373
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29.03.05 09:07

742 Postings, 5796 Tage Schwertfeger70 Beamte fordern Ehrung von Nazi-Diplomaten

Nazi-Diplomaten
70 Beamte fordern Ehrung

Der von Außenminister Joschka Fischer angeordnete Stopp der ehrenden Nachrufe auf verstorbene Diplomaten mit NS-Vergangenheit hat amtsintern heiße Diskussionen ausgelöst. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge haben mehr als siebzig Diplomaten mit einer Unterschriftenaktion gegen die Anordnung protestiert. Eine andere Gruppe von Diplomaten stellte sich hinter Fischer und nannte die Änderung in einem Leserbrief für die Hauszeitschrift "internAA" überfällig.

Auslöser war ein Nachruf auf einen verstorbenen Generalkonsul, der für erhebliche Entrüstung gesorgt hatte. Der Mann hatte vor 1945 als Oberstaatsanwalt und NSDAP-Mitglied in der besetzten Tschechoslowakei an zahlreichen Verfahren mitgewirkt. Er war von der US-Armee an die tschechischen Behörden ausgeliefert und für zehn Jahre interniert worden. Fischer hatte daraufhin angeordnet, dass statt Nachrufen künftig für alle verstorbenen Diplomaten des Auswärtigen Amtes in der Hauszeitschrift eine Todesnachricht erscheinen soll, die den beruflichen Werdegang im AA und Angaben zur Beisetzung enthält.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter des Amtes hatte Fischer dies auch mit dem Ruf Deutschlands im Ausland begründet: "Ehrende Nachrufe in diesen und vergleichbaren Fällen würden im In- und Ausland zu Recht auf Unverständnis und Empörung stoßen und wären geeignet, das Ansehen des Auswärtigen Amts und der Bundesrepublik zu beschädigen."

Die Initiatoren des Protests betonten, die Ehrung der Toten gehöre zum "kulturellen Kernbestand" sämtlicher Zivilisationen. Dies "nur" wegen der ehemaligen Zugehörigkeit zu einer Organisation des Dritten Reiches zu verweigern, sei Ausdruck "anmaßender Selbstüberschätzung und spiegelt das manichäische Geschichtsbild derjenigen wider, die bereits 1968 glaubten, keinem über 30 trauen zu dürfen", zitierte die Zeitung aus dem Schreiben. Dem Bericht zufolge schlossen sich dem Protest binnen zweieinhalb Tagen mehr als 70 von zweihundert angeschriebenen Amtsangehörigen an.

NSDAP-Mitglieder im AA der Bundesrepublik

Die Gruppe der Befürworter hingegen nannte die "Änderung der Nachrufpraxis überfällig". Die entstandene Diskussion sei "eine Folge der erheblichen NS-Verstrickung des AA-Führungspersonals nach Errichtung des AA bei Neugründung 1951": Von 25 Beamten im höheren Dienst in der Personalabteilung seien 19, von 17 in der Politischen Abteilung 13 und von 17 in der Rechtsabteilung 11 NSDAP-Mitglieder gewesen. "Es wäre wünschenswert gewesen, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit innerhalb des AA schon viel früher erfolgt wäre, nicht erst jetzt, wo die meisten der Betroffenen - Opfer wie Täter - bereits verstorben sind", heißt es in dem Schreiben.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte die Diskussion auf Anfrage nicht kommentieren. Es handele sich um eine interne Debatte, sagte sie zur Begründung. Inoffiziell wurde in der Leitungsebene des Amtes darauf verwiesen, dass das Protestschreiben nur von 70 der rund 200 Angeschriebenen unterzeichnet worden sei, so dass es ganz offensichtlich auch Befürworter der Linie Fischers gebe.

 
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28 Postings ausgeblendet.

30.03.05 12:21

13436 Postings, 7361 Tage blindfishnanu...

volle zustimmung, reab...  

30.03.05 13:15

95440 Postings, 7157 Tage Happy Endnanu...

keine Zustimmung, reab...  

30.03.05 13:28

2752 Postings, 5754 Tage niebaumzu 20

würde Dein Arbeitgeber merken, wenn Du nicht mehr da bist??  

30.03.05 13:33

7336 Postings, 6427 Tage 54reabnanu...

happy, deine diskussionsbeiträge sind absolut schwach. nur zu einem primitiven lagerdenken fähig? kann ich nicht glauben, dass du meinen sachlichen einwände nichts anderes als kindliche sprüche entgegensetzen kannst.


 
 

30.03.05 13:41

95440 Postings, 7157 Tage Happy Endnanu...

Deine gepostete Meinung ist sachlich fundiert, andere haben primitives Lagerdenken?
reab, Deine Diskussionsbeiträge sind absolut schwach. Nur zu Beleidigungen fähig?


PS: Zu Simonis haben sich Katjuscha, BarCode u.a. ausgiebig sachlich geäußert. So viel zum Thema "undeamokratische Hetzjagd".

Und zum Thema Fischer wird´s langsam lächerlich, wenn das Thema Nachrufe solche Wellen schlägt.  

30.03.05 13:44

16568 Postings, 6604 Tage MadChartWo hat reab54 wen beleidigt?

(ich meine die letzten Postings, keins von vor 3 Jahren oder so....)  

30.03.05 13:46

2752 Postings, 5754 Tage niebaumHappy/20

würde Dein Arbeitgeber merken, wenn Du nicht mehr da bist??

Bei Deinem Ariva-Pensum wirst Du doch einen ähnlichen Posten wie seinerzeit Heinz Erhardt beim Finanzamt haben.  

30.03.05 13:49

69004 Postings, 6125 Tage BarCodeIm Prinzip hast du recht reab

aber es geht natürlich nicht um irgendwelche jugendlichen Volkssturm-Leute.

"Auslöser war ein Nachruf auf einen verstorbenen Generalkonsul, der für erhebliche Entrüstung gesorgt hatte. Der Mann hatte vor 1945 als Oberstaatsanwalt und NSDAP-Mitglied in der besetzten Tschechoslowakei an zahlreichen Verfahren mitgewirkt. Er war von der US-Armee an die tschechischen Behörden ausgeliefert und für zehn Jahre interniert worden. Fischer hatte daraufhin angeordnet, dass statt Nachrufen künftig für alle verstorbenen Diplomaten des Auswärtigen Amtes in der Hauszeitschrift eine Todesnachricht erscheinen soll, die den beruflichen Werdegang im AA und Angaben zur Beisetzung enthält."

Man kann als Außenminister schlecht in der Tschechei auftauchen und dafür geradestehen müssen, dass man einen dort Verurteilten geehrt hat. Es gibt eben auch welche, die erst mit 90 sterben.

Also hat man die vermeintlich "diplomatische " Lösung gewählt und auf die spezielle Ehrung aller Diplomaten verzichtet. Jetzt waren halt einige eitel genug, dass sie gerne auch noch nach ihrem Tod als besonders ehrenhafte und verdienstvolle Bürger einen Sonderbehandlung eingeheimst hätten, womöglich von einem Staatsbegräbnis geträumt haben. Deshalb gehen sie jetzt auf die Barrikaden. Und sie trauen sich das nur, weil ihr Chef grade angeschlagen ist. Genauso, wie alle, die noch unter  Kohl ihre Ehren-Pöstchen im diplomatischen Dienst ergattert haben und seit Jahren darunter Leiden, dass sie einen wie Joschka Fischer als Chef akzeptieren müssen, jetzt plötzlich ganz undiplomatische Presseaktivitäten veranstalten, weil ihnen endlich jemand zuhört.

Das ändert nix daran, dass da womöglich dem ganzen Visakram politische Fehleinschätzungen und schlechtes Management zugrunde gelegen haben mögen. Aber der Schaden ist eher politischer Natur als substanzieller...

Gruß BarCode

 

30.03.05 13:49

95440 Postings, 7157 Tage Happy EndMadChart, zieh mal Deine Parteibrille ab

Dass man jemandem "primitive Parteipropaganda" oder "primitives Lagerdenken" vorwirft, findest Du also normalen, sachlichen Umgangston?

Das erklärt einiges *g*  

30.03.05 13:50

95440 Postings, 7157 Tage Happy EndSo ist es, BarCode

30.03.05 13:59

16568 Postings, 6604 Tage MadChart@Happy End:

Ich habe nicht gesagt, dass ich das für einen sachlichen Umgangston halte. Warum behauptest Du das?

Ich habe lediglich gesagt, dass ich es nicht beleidigend finde.

Tip: Wenn Du solche Formulierungen bereits als beleidigend empfindest, dann würde ich Dir empfehlen, doch mal mit gutem Beispiel voranzugehen, denn es würde mich nicht viel Mühe kosten, Postings von Dir zu finden, in denen Du auf ähnlichem Niveau geschrieben hast.  

30.03.05 14:02

7336 Postings, 6427 Tage 54reabder unterschied zwischen 2003

und 2005 sind maximal 2 jahre. also stimmt meine altersbetrachtung im wesentlichen. aus der süddeutschen: Fischer hatte im September 2003 zunächst verfügt, dass Mitarbeitern, die in der Nazi-Zeit Mitglieder der NSDAP waren, ein interner ehrender Nachruf verwehrt wird.

es ging also damals nicht nur um diesen generalkonsul, sondern alle nsdap-mitglieder - auch wenn sie bei kriegsende erst 17 waren - wurden einfach eine schublade gepackt und das von fischer mit seiner eigenen jugendlichen vergangenheit, die alles andere als demokratisch war. dazu vermisse ich stellungnahmen. bc hat sich nur indirekt dazu geäußert.  

30.03.05 14:03

95440 Postings, 7157 Tage Happy EndMadChart, jetzt mach Dich doch nicht lächerlich

Mein Posting 34 war die Antwort auf #33 - nicht mehr.  

30.03.05 14:04

16568 Postings, 6604 Tage MadChartNa also - geht doch o. T.

30.03.05 14:06

Clubmitglied, 44118 Postings, 7275 Tage vega2000Madchart

Tipp schreibt sich mit zwei "P".

Tschuldigung, aber kiiwii ist ja im Augenblick verhindert.

*gg*  

30.03.05 14:09

69004 Postings, 6125 Tage BarCodeEhrlich gesagt, reab

habe ich das Thema tatsächlich nur am Rande verfolgt. Die Mitgliedschaft in der Nsdap - egal welches Alter oder welche Funktion - reicht natürlich nicht aus, um irgendwelche Maßnahmen zu rechtfertigen - das ist doch klar.

Aber wirklich von Bedeutung ist das doch nur für die, die nach ihrem Tod noch geil auf irgendwelches Fahnengeschwenke zu ihren Ehren sind, oder?

Gruß BarCode  

30.03.05 14:09

7336 Postings, 6427 Tage 54reabhappy, die diskussion über die

nachrufe als lächerlich zu bezeichnen ist kein argument sondern eine abwehr eines tatbestandes, das in diesem konkreten fall einem aus parteipolitischen gründen nicht behagt. also parteipolitisches lagerdenken! grüne müssen nun mal in moralischer sicht sich eine höhere messlatte hinhalten lassen. sie hatten immer besondere moralische ansprüche - diese waren ein antrieb ihrer gründung.  

30.03.05 14:12

16568 Postings, 6604 Tage MadChartDanke vega, ich werde mich bessern o. T.

30.03.05 14:13

7336 Postings, 6427 Tage 54reab@bc: gegen die einstellung derartiger

nachrufe habe und hatte ich nichts. sie gehören nicht in unsere zeit. falsche motive bei der abschaffung von unsinn können allerdings einen noch größeren unsinn erzeugen. das sollte einem berufspoliter bewusst sein.  

30.03.05 14:22

95440 Postings, 7157 Tage Happy Endreab, da könnte man auch genau gegenteilig

argumentieren: diese Diskussion so breit zu treten (es geht um Todesanzeigen in der ministeriumsinternen Hauszeitschrift) fällt dann auch unter parteipolitisches Lagerdenken.

Zu "grüne müssen nun mal in moralischer sicht sich eine höhere messlatte hinhalten lassen." äußere ich mich lieber nicht...  

30.03.05 21:07

7336 Postings, 6427 Tage 54reabFischer-Mobbing im Auswärtigen Amt

AUSSENMINISTER IN NOT

Fischer-Mobbing im Auswärtigen Amt

Von Severin Weiland

Der Außenminister kämpft gegen den Verlust seiner Autorität: Mitten in der Visa-Affäre wurde jetzt der Brandbrief eines Botschafters öffentlich, der zornig gegen die Anordnung Fischers protestiert, ehemaligen NSDAP-Mitgliedern grundsätzlich ein "ehrendes Andenken" zu verweigern. Immer mehr Diplomaten wehren sich gegen den Stil ihres Chefs.

 
APAußenminister Fischer: "Mit Kampfeslust alle Themen angehen"?
Berlin - Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes gab sich alle Mühe, die bohrenden Fragen abzuwehren, die in der Bundespressekonferenz gestellt wurden. Am Mittwoch hatte die "Bild" Auszüge aus einem Brief des deutschen Botschafters in Bern veröffentlicht. Botschafter Frank Elbe übte darin harsche Kritik daran, dass Fischer angeordnet hatte, ehemaligen Mitgliedern der Nazi-Partei grundsätzlich ein "ehrendes Andenken" zu versagen - auch wenn diese keine Täter sondern nur nominell Parteimitglieder waren.

Nach außen hin versuchen Fischers diplomatisch geschulte Sprecher in diesen turbulenten Wochen, da Visafragen und hausinterne Querelen das Ministerium am Werderschen Markt beschäftigen, Haltung zu wahren. Doch es spricht Bände, wenn sie ausdrücklich betonen müssen, dass ihr Chef alles im Griff habe. Und genau dies musste die Sprecherin des Auswärtigen Amtes heute tun: Fischer habe durch die Debatte keinen Autoritätsverlust erlitten. Es gebe auch keinen Zusammenhang zwischen der Nachruf- und Visafrage. Nach der Osterpause, so die Mitarbeiterin, werde Fischer "mit Kampfesmut" an alle Themen herangehen.

Fest steht: Der deutsche Botschafter in der Schweiz und Liechtenstein kritisiert in seinem Brief nur vordergründig, wie das Amt mit seiner eigenen Geschichte umgeht. Zwischen den Zeilen wird klar, worum es dem hochrangigen Diplomaten wirklich geht: Er wirft seinem Chef schlechten Stil und mangelnde Sensibilität vor. Ein unerhörter Vorgang. Denn nirgendwo trifft der Vorwurf der Stillosigkeit härter als auf dem glatten Parkett der Diplomatie.

Mit dem Brief Elbes, einst Leiter des Ministerbüros unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher, ist erstmals die Kritik eines amtierenden Diplomaten an der intern umstrittenen Gedenkpraxis öffentlich geworden. Dem erfahrenen Elbe, der vor allem bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung eine entscheidende Rolle spielte, geht es in seinem Schreiben in allererster Linie um den Fall des früheren Diplomaten Franz Krapf. Das frühere NSDAP-Mitglied war nach dem Krieg, wie so manche andere Mitarbeiter im Auswärtigen Amt, zu einem der führenden Diplomaten der Bundesrepublik aufgestiegen. Eine Ehrung im hausinternen Mitteilungsblatt war Krapf nach seinem Tode im Oktober 2004 verwehrt worden - was unter früheren und aktiven Diplomaten Empörung auslöste.

"Was hindert Sie daran, Ihren Respekt vor der Leistung des Kollegen Krapf im Auswärtigen Dienst zum Ausdruck zu bringen", fragt Elbe nun seinen Minister in einem dreiseitigen Brief, der auch SPIEGEL ONLINE vorliegt und der am Dienstag an das Amt ging. Dieser habe als Nato-Botschafter zu Beginn der siebziger Jahre "mit großer Kompetenz die Ost- und Entspannungspolitik der Bundesregierung im Bündnis umgesetzt und die Achtung unserer Verbündeten erfahren", so Elbe. "Sie müssen den Ärger ernst nehmen, den Amtsangehörige wie ich, die aus ihrem Abscheu gegen den Nationalsozialismus nie einen Hehl gemacht haben und die lange Jahre am Prozess der Aussöhnung mit unseren Nachbarn teilnehmen durften, über die Verweigerung des Nachrufs für Botschafter a. D. Krapf empfinden", heißt es weiter in dem Brief.

Langer Konflikt

Der Ärger um Fischers Anordnung zum Gedenken an ehemalige NSDAP-Mitglieder hat eine lange Vorgeschichte. Der Fall Krapf ist dafür exemplarisch. Zu Beginn des Jahres war in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine posthume Anzeige für den früheren Botschafter erschienen - mit dem Zusatz des "ehrenden Andenkens". Genau das aber war in der Hauszeitung "internAA" zuvor nicht erfolgt, nachdem Fischer angeordnet hatte, dass frühere Mitglieder der NSDAP nicht mehr geehrt würden. Die Nicht-Ehrung machte keine Unterschiede mehr zwischen Tätern oder lediglich nominellen Mitgliedern der Nazipartei.

Ausgangspunkt für die neue Praxis war Mitte 2003 der Fall des Generalkonsuls a. D., Franz Nüsslein. Dessen Ableben war, wie bis dato Tradition im Amt, im Hausblatt vermerkt worden. Darin war auch von einer "zehnjährigen Internierung in der Tschechoslowakei" die Rede. Doch eine frühere Mitarbeiterin des Amtes hatte in einem Brief darauf hingewiesen, dass Nüssler als Oberstaatsanwalt unter dem Reichsprotektor für Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war. Von den USA wurde er nach 1945 an die Tschechoslowakei ausgeliefert und dort zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Nach dem Fall Nüssler erfolgte intern die Weisung, früheren Mitgliedern der Nazi-Partei kein Gedenken mehr im Hausblatt einzuräumen. Doch nach außen drang die neue Praxis so recht erst nach dem Tode von Krapf ins Bewusstsein mancher Altgedienter - als auffiel, dass kein Nachruf erfolgte.

Der Fall Krapf

Krapf, der nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern auch der SS gewesen war, nach dem Krieg aber in einem Spruchkammerverfahren entlastet wurde, gilt vielen im Amt als Beispiel für die Schwierigkeit, mit einem einzigen Federstrich über die Karriere eines Mitarbeiters zu richten. Denn Krapf blieb, als der Außenminister der Großen Koalition, Willy Brandt, Mitte der sechziger Jahre eine Reihe von Diplomaten seines Hauses in den Ruhestand versetzte, die dem Widerstandskämpfer wegen ihrer Verstrickung in der NS-Zeit nicht mehr tragbar erschienen.

Krapfs Karriere blieb kein Einzelfall - die Mehrheit der Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes gehörte während der NS-Zeit der Hitlers Partei an. Viele wurden nach Gründung des Amtes in Westdeutschland wieder in den diplomatischen Dienst aufgenommen - ein in den fünfziger Jahren durchaus kontrovers diskutiertes Thema.

Erst 1961 wurden elf Widerstandskämpfer unter den Diplomaten geehrt - mit der Eingravierung ihrer Namenszüge im Eingangsbereich des Amtes in Bonn. 1995, unter Genscher Nachfolger Klaus Kinkel (ebenfalls FDP), wurde die Tafel erweitert - durch den Namenszug eines weiteren Diplomaten, Rudolf von Scheliha. Auf dessen Schicksal - und das seiner Witwe - hatte nicht zuletzt das Buch eines ehemaligen Botschafters, Ulrich Sahm, hingewiesen.

Fischer selbst weihte im September 2004 einen Fritz-Kolbe-Saal im Berliner Amtssitz ein - benannt nach dem Top-Spion der Amerikaner, der sich als Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes während des Zweiten Weltkriegs den Alliierten anbot. Kolbe wurde nicht wieder in den Dienst des neuen Auswärtigen Amtes der jungen Bundesrepublik aufgenommen - obwohl er sich darum bemühte.

Piper VerlagTop-Spion Kolbe: Im Auswärtigen Amt tätig
Die Art und Weise, wie das Amt mit seiner Vergangenheit umgeht, wirft jedoch auch ein Schlaglicht auf die Vita des Außenministers: Kann einem Menschen, dessen Leben von politischen Irrtümern nicht gerade frei war, Läuterung zugestanden werden? Viele Diplomaten ärgert es, dass der frühere Straßenkämpfer Fischer sich nun mit einer pauschalen, nicht am Einzelfall orientierten Gedenkpraxis zum Richter aufschwingt. Damit verstoße der Grüne Fischer auch gegen den bundesrepublikanischen Nachkriegskonsens von Konrad Adenauer, der ehemalige NSDAP-Mitglieder ausdrücklich in die Bundesrepublik integrieren wollte, wenn sie der Nazideologie abgeschworen hatten.

Genau darin spiegelt sich der Fall Krapf - und löste eine hausinterne Debatte aus - die die Amtsleitung nicht ignorieren konnte. Mitte März machte Fischer einen Teilrückzieher, nachdem der Druck im Haus erheblich zugenommen hatte. Die Namen der Toten mit NSDAP-Vergangenheit sollen künftig im Hausblatt veröffentlicht, aber nicht mehr geehrt werden.

Kritik am Führungsstil

Botschafter Elbe geht es, wie er schreibt, "in der gegenwärtigen Diskussion ausschließlich um die Frage, wie das Auswärtige Amt mit einem geachteten Kollegen umgeht. Das ist der Kern des Unmutes, nicht weniger, aber auch nicht mehr".

Mit seinem Brief spricht Elbe offenbar vielen Spitzendiplomaten aus der Seele. "Das Management der gegenwärtigen Krise ist miserabel", heißt es da etwa im Brief Elbes über den Fall Krapf. Und: "Letztlich haben bürokratische Schlampigkeit und ein Mangel an politischer Empfindsamkeit jene Entrüstung" ausgelöst, auf die Fischer mit seinem Schreiben zu Gedenkpraxis sich bezogen habe.

Elbe spricht von einer bürokratischen Lösung der Ehrung, die am Kriterium der NSDAP-Zugehörigkeit festgemacht worden sei. "Offenbar hat man keinerlei Überlegungen angestellt, ob in künftigen Einzelfällen diese starre Gedenkpraxis nicht doch ungerecht sein könnte. Erst das Ableben von Botschafter a. D. Krapf hat die Schwächen dieser Konstruktion offenbart", heißt es seinem Schreiben. Da das Amt nicht einsehen wolle, dass eine Ehrung Krapfs angezeigt gewesen wäre, verteidige es seine Haltung mit einer "unsensiblen Grundsätzlichkeit, die das Haus tief spaltet". Leider dränge sich zusätzlich der Eindruck auf, dass das Amt in seiner Pressearbeit diejenigen Kollegen, "die sich für eine Ehrung aussprechen, als Nazisympathisanten diskreditieren lässt und damit den Graben vertieft", so der Botschafter im Dienst.

Der Unmut bleibt

APFischer in Jerusalem: Erschöpft vom Dauerstress?
Elbe selbst wollte sich am Mittwoch gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu seinem Schreiben äußern. Er wolle keinen Kommentar dazu abgeben, bevor er nicht mit der Leitung des Amtes darüber gesprochen habe, erklärte er. Wie sein Brief an die "Bild"-Zeitung gekommen sei, wisse er nicht, so Elbe.

Allein die Tatsache, dass Elbes Brief an die "Bild" lanciert wurde, ist in dem für seine Verschwiegenheit bekannten Amt ein ungeheurer Vorgang - der zeigt, wie stark der Unmut im Hause Fischer mittlerweile ist. Der Bonner Politologie-Professor Christian Hacke, der sich intensiv mit der Politik des Auswärtigen Amtes beschäftigt, kennt Elbe aus früheren Zeiten. Dieser sei ein umsichtiger, mit allen diplomatischen Gepflogenheiten vertrauter Mann. "Wenn ein aktiver Diplomat wie Elbe sich nun in der Frage des Gedenkens gegen Fischer stellt und das auch noch öffentlich wird, dann ist das, als ob jemand eine kleine diplomatische Atombombe zündet", so Hackes Interpretation gegenüber SPIEGEL ONLINE.

In dem Schreiben des deutschen Botschafters aus Bern, so glaubt Hacke, drücke sich nicht nur der Unmut über die Gedenkpraxis im Hause aus, sondern gegenüber dem Stil Fischers. "Mangelnde Professionalität verbunden mit Arroganz und einer in sich nicht stimmigen Außenpolitik, das ist es, was man ihm vorwerfen muss", so Hacke.


nun auch noch der böse spiegel. happy, bitte unbedingt eingreifen und in hamburg wg. diesem breittreten protestieren!!

 

30.03.05 21:09

95440 Postings, 7157 Tage Happy EndDanke reab

Besser hätte mein Posting #49 nicht bestätigt werden können.  

01.04.05 15:31

8021 Postings, 6361 Tage RigomaxNoch ein Schlenker im AA.

Früher erhielten verstorbene ehemalige Mitarbeiter einen ehrenden Nachruf.

Dann entschied Fischer, daß verstorbene ehemalige Mitarbeiter dann keinen ehrenden Nachruf erhalten, wenn sie früher einmal Mitglied der NSDAP waren. Und zwar ohne Prüfung auf individuelle Schuld ("wir brauchen ein formales Kriterium").

Dann entschied Fischer, daß _gar keine_ verstorbenen ehemaligen Mitarbeiter mehr einen ehrenden Nachruf erhalten. Es sollte nur noch eine neutrale Mitteilung im internen Mitteilungsblatt geben.

Jetzt gibt es die nächste Version: Schon jetzt teilte das AA mit, daß es bei zwei ehemaligen Mitarbeitern nach ihrem Tode dennoch einen ehrenden Nachruf geben werde, obwohl sie beide Mitglied der NSDAP waren. Es handelt sich um die ehemaligen Außenminister Genscher und Scheel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,349169,00.html.

 

01.04.05 15:35

4101 Postings, 5648 Tage IDTE2hier gibts was zu J.Fischer

Joschka Fischer - Arroganz und Charisma eines Medienstars


Auch im siebten Amtsjahr als Außenminister ist Joschka Fischer einer der beliebtesten Politiker in Deutschland. Doch für viele Hauptstadtjournalisten ist er der "arroganteste und selbstherrlichste Politiker auf der Berliner Bühne". In dem NDR Film "Joschka Fischer - Arroganz und Charisma eines Medienstars" schildern sie eindringlich, wie der einstige "Liebling der Medien" Journalisten brüskiert, beschimpft und verachtet. Ein "unerträglicher Kotzbrocken" sei er geworden, der Journalisten auch schon mal als "5-Mark-Nutten" diffamiere. Derzeit versuche er allerdings mit einer plötzlichen "Charme-Offensive" Journalisten für eine weniger kritische Berichterstattung über die Visa-Affäre zu instrumentalisieren - bislang mit nur wenig Erfolg.

Einig sind sich alle Hauptstadt-Journalisten, dass die Berliner Politik ohne Joschka Fischer langweiliger wäre. Denn der einstige Frankfurter Straßenkämpfer biete durch seine gebrochene Biografie, sein großes Redetalent und sein bisweilen charismatisches Auftreten mehr Faszination und Reibungspunkte als jeder andere Bundespolitiker.

Der NDR Film von Julia Salden und Kuno Haberbusch dokumentiert, wie Joschka Fischer seine Auftritte, seine Provokationen, sein ganzes politisches Leben mediengerecht inszenierte und dadurch zum Medienstar wurde. Und wie sich die, deren Nähe er einst erfolgreich suchte, jetzt von ihm abwenden. Es ist ein Blick hinter die tagesaktuelle Hektik mit ihren politischen Floskeln und der Suche nach immer neuen Enthüllungen.


unbedingt mal folgendes lesen. dann erübrigt sich hier so einiges...

http://www3.ndr.de/container/...ault/0,2300,OID1214938_REF2488,00.pdf  

01.04.05 16:03

69004 Postings, 6125 Tage BarCodeJetzt mal ganz unabhängig von konkreten

Anlässen bezüglich Fischer:
Die Medienmeute hängt den Politikern (und anderen Promis) wirklich ziemlich nervig an den Hacken. Und das geht oft über den durchaus wichtigen Öffentlichkeitsanspruch raus. Gut damit müssen sie leben, sie brauchen und benutzen sie ja auch selbst... Jedenfalls verstehe ich, wenn man da ab und zu mal sauer ist.

Im Übrigen nervt mich aber auf der anderen Seite als Konsument auch, dass es fast nur noch Kampagnenjournalismus mit oft schlecht oder gar nicht recherchierten Skandal-Phrasen gibt. Es braucht meist Tage, bis man sich mühsam den realen Kern und die Substanz von zu Skandalen hochgejubelten Unwichtigkeiten herausgefiltert hat. Das ist auch nicht die Aufgabe der Presse. Da wäre eine Diskussion fällig, der sich der Journalismus/die Jounalisten auch mal stellen müssten. Die können ohne Konsequenzen Müll verbreiten, für den dann andere sich rechtfertigen müssen.

Es gehört auch nicht zu den Aufgaben einzelner einflussreicher Medien, dass sie ihren Erfolg daran messen, ob es ihnen gelungen ist, jemanden in die Hölle geschickt zu haben. Ich will gut recherchierte Fakten und Meinungen, die auf Basis dieser Fakten verbreitet werden, und nicht billiges rumgemobbe.

Mir ist gestern bei Panorama aufgefallen: Man hat sich mit Umfragen zu Fischer, Schröder und Wulff beschäftigt. Dabei war das wesentliche und ausschlaggebende Kriterium für die Beliebtheit Wulffs das der Glaubwürdigkeit. Und ganz am Schluss gab es einen Schlenker, der angedeutet hat, wen man als nächstes (wenn die Fischer-Kiste ausgereizt ist) auf dem Kieker hat: Man hat die faktische Bedeutungslosigkeit von Frau Merkel in diesem Spiel hämisch einfach mal so behauptet und damit fast schon eine Art Aufforderung formuliert: So Merkel und Wulff, jetzt geht ihr mal aufeinander los. Wir brauchen neuen Stoff.

Wer bei uns hochgejubelt wird und schließlich auf so einem Spitzenplatz der Beliebtheit angekommen ist, wie etwa Wulff jetzt, hat einen garantierten Anspruch darauf, da wieder weggemobbt zu werden. War eh erstaunlich, wie lange Fischer da geduldet wurde. Wulff kann sich jedenfalls auf was gefasst machen... Komisches Spiel.

Gruß BarCode

Gruß BarCode  

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