3 Fragen zu Gewerkschaften:

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neuester Beitrag: 01.07.04 10:55
eröffnet am: 01.07.04 08:21 von: lutzhutzlefut. Anzahl Beiträge: 7
neuester Beitrag: 01.07.04 10:55 von: haerte10 Leser gesamt: 466
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01.07.04 08:21

4561 Postings, 6712 Tage lutzhutzlefutz3 Fragen zu Gewerkschaften:

...und vielleicht auch gleich die richtigen Antworten dazu.
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TREFFEN MÜNTEFERING UND SOMMER

Notoperation zur Rettung der Freundschaft

SPD und Gewerkschaften haben sich derzeit wenig Freundliches zu sagen. Das traditionelle Bündnis zerbröselt. Beide werfen jeweils dem anderen vor, die Probleme der Republik falsch anzugehen. Heute wollen SPD-Chef Franz Müntefering und DGB-Chef Michael Sommer unter vier Augen nach einer Lösung suchen.


Aus dem Spiegel
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"Die Probleme der Republik falsch anzugehen"

Seit wann lösen Gewerkschaften Probleme der Republik?
In meinen Augen schaffen sie nur neue und blockieren den Wirtschaftsprozeß.

Haben Gewerkschaften genug Know how für derartige Entscheidungen?
Nein, vom rumsitzen wird man nicht schlau.

Warum haben die Gewerkschaften trotz sinkender Mitgleiderzahl imm noch so viel Macht?
Liegt anscheinend daran, daß unsere unfähige Regierung einen Sündenbock braucht, so wie ich meine Berater, wenn es nicht klappt.  

01.07.04 09:42

191 Postings, 6057 Tage haerte10Der Gewerkschaften betrachten sich als

Vertreter aller Arbeitnehmer, obwohl nur eine Minderheit in diesen Organisationen Mitglied ist. Desweiteren nehmen sie mit ihrem Vertretungsrecht für eine Minderheit Einfluss auf Betriebsräte und greifen so übermässig in innerbetriebliche Prozesse ein.

Den Gewerkschaften darf in unserer Gesellschaft nur der Stellenwert eingeräumt werden, den sie durch ihre Mitgliederanzahl vertreten. Das die Gewerkschaften nicht im Sinne der Mehrheit der Arbeitnehmer handeln, zeigt sich auch an weiter schrumpfenden Mitgliederzahlen.

In einer Demokratie kann nicht hingenommen werden, dass Minderheiten wichtige Entscheidungsprozesse verhindern oder blockieren. Darauf zu warten, dass sie sich wie im Fall der rotgrünen Regierung selbst demontierien, ist auf Grund der fehlenden zeitlichen Begrenzung der Machtausübung nicht sehr sinnvoll.

Hier besteht Handlungsbedarf. Um es nochmals klar auszudrücken: Den Gewerkschaften soll der Stellenwert zukommen, den sie aufgrund ihrer Mitgliederzahl an der Arbeitnehmerschaft vertreten. Dies gilt insbesondere auch für die Vertretung, die sie in den verschiedensten Institutionen ausübt. Der direkte Einfluss über die Betriebsräte auf   einzelne Unternehmen muss ebenfalls neu überdacht werden.

Eine moderne Wirtschaft kann im globalem Wettbewerb nur bestehen, wenn es auf der Gegenseite auch moderne Strukturen gibt. Die Arbeitnehmer und die Arbeitslosen, sowie deren Familien, haben ein Recht hierauf.  

01.07.04 10:09

4561 Postings, 6712 Tage lutzhutzlefutzGewerkschaften

hatten zu Zeiten schwacher AN-Rechte sicherlich ihre Daseinsberechtigung, aber zu Zeiten schlechter wirtschaftlicher Entwicklung ist das völlig obsolet.

Die Forderung nach mehr Löhnen und Gehältern kann zwangsläufig nur zu einer erhöhten Arbeitslosenquopte führen, da bei den Löhnen zzgl. der Lohnnebenkosten vom Staat jeder halbwegs wirtschaftlich arbeitende Betrieb natürlich im Ausland versucht billiger zu produzieren.  

01.07.04 10:13

129861 Postings, 6273 Tage kiiwiiWie sehen die Gewerkschaften ihre Aufgabe?

Schauen wir doch mal auf die Homepage   DGB.DE


Die Aufgaben von DGB und Gewerkschaften

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Stimme der Gewerkschaften gegenüber den politischen Entscheidungsträgern, Parteien und Verbänden in Bund, Ländern und Gemeinden. Er koordiniert die gewerkschaftlichen Aktivitäten. Als Dachverband schließt er keine Tarifverträge ab.

Er arbeitet auf internationaler Ebene im Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) und im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) mit und vertritt die deutsche Gewerkschaftsbewegung bei internationalen Institutionen wie der EU und der UNO.

Für den DGB gilt das Prinzip der Einheitsgewerkschaft. Er ist - wie seine Mitgliedsgewerkschaften - pluralistisch und unabhängig, aber keineswegs politisch neutral. Er bezieht Position im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Mitgliedsgewerkschaften des DGB handeln mit den Arbeitgebern Tarifverträge, u.a. zu Einkommen, Arbeitszeiten, Urlaub aus. Im Falle eines Arbeitskampfes organisieren sie den Streik und zahlen den Mitgliedern Streikunterstützung.

Sie helfen bei der Gründung von Betriebsräten, unterstützen die Beschäftigten bei betrieblichen Konflikten und vertreten sie bei Streitigkeiten mit ihrem Arbeitgeber. Gewerkschaftsmitglieder genießen kostenlosen Rechtsschutz.



UND HIER IG-METALL



Wir, die IG Metall:
eine Gewerkschaft stellt sich vor


Rund 2,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Metallindustrie, des Metallhandwerks, der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie der Holz- und Kunststoffindustrie haben sich in der IG Metall zusammengeschlossen, um ihre Interessen in Betrieb und Gesellschaft besser einbringen und durchsetzen zu können.

Und zwar durchaus erfolgreich - betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte:

Höhere Einkommen, kürzere Arbeitszeiten, längerer Urlaub. Mehr soziale Sicherheit. Mehr Freiraum, sich zu entfalten.

Neue Fragen und Probleme sind entstanden. Unsere Zukunft hängt davon ab, ob wir es schaffen werden, die neuen Herausforderungen zu bewältigen: Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, Erhalt des Sozialstaats und der demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft, Gleichberechtigung, Schutz der natürlichen Umwelt - um nur die wichtigsten zu nennen.

Hier ist auch die IG Metall gefordert. Dafür brauchen wir jede einzelne und jeden einzelnen. Mit Ideen, Sachverstand, Engagement und finanziellem Beitrag.

Denn die IG Metall ist nur so stark, wie ihre Mitglieder sie machen.


Tarifpolitik


Eine der wichtigsten Aufgaben der Gewerkschaft ist die Tarifpolitik.

Im Mittelpunkt unserer tarifpolitischen Ziele steht

   * die Einkommen zu sichern und zu verbessern,
   * die Arbeitszeiten zu verkürzen und im Interesse der Beschäftigten zu gestalten,
   * Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten,
* die Qualifizierung zu fördern.

Zeitgemäße Tarifverträge müssen neuen Produktions- und Arbeitsorganisationen, aber auch den Erwartungen der Beschäftigten gerecht werden.

Die meisten Menschen erwarten heute von der Arbeit mehr als bloßes Geldverdienen. Sie wünschen sich eine sinnvolle Tätigkeit, die ihre Gesundheit und die Umwelt möglichst wenig belastet. Sie wollen bei Entscheidungen gefragt und beteiligt sein, und sie verlangen nach mehr Freiräumen und mehr Selbstbestimmung im täglichen Arbeitsleben.

Die IG Metall arbeitet an neuen Tarifverträgen, die die genannten Entwicklungen und Erwartungen berücksichtigen.


IG Metall im Betrieb


Betriebsräte und Vertrauensleute

Arbeit soll Freude - zumindest aber nicht krank machen. Denn wer sich bei der Arbeit kaputtmacht, unter Dauerstreß steht und unzufrieden ist, der wird auch die Freizeit nicht unbeschwert genießen.

Die Arbeitsbedingungen zu verbessern, ist daher zentrales Anliegen der IG Metall.

Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, umweltschonende Produktion, Organisation der Arbeit, Weiterbildungsmöglichkeiten der Beschäftigten, Eingruppierung und Arbeitszeit: dies sind Themen, mit denen sich Vertrauensleute der IG Metall und in der IG Metall organisierte Betriebsräte gemeinsam auseinandersetzen und versuchen, mit den Beschäftigten des Betriebes Lösungen zu finden.

Auch Beschäftigungs- und Ausbildungssicherung sind wichtiges Ziel der gewerkschaftlichen Vertrauensleute- und der Betriebsratsarbeit.

Die Vertrauensleute

Vertrauensleute der IG Metall werden von den IG Metall-Mitgliedern eines Betriebes gewählt. Sie informieren und beraten die Mitglieder über ihre Rechte aus Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen, über die gesetzlichen Bestimmungen zum Gesundheitsschutz und zur Arbeitssicherheit. Sie diskutieren mit den Mitgliedern Tarifforderungen, informieren über die Politik der IG Metall und nominieren die IG Metall-Kandidatinnen und -Kandidaten für den Betriebsrat.

Der Betriebsrat

Der Betriebsrat ist die gesetzliche Interessenvertretung im Betrieb. Gewählt wird er von allen Beschäftigten eines Betriebes. Seine Rechte und Pflichten sind im Betriebsverfassungsgesetz geregelt.

Über 80 Prozent der Betriebsratsmitglieder in der Metallwirtschaft sind in der IG Metall organisiert. Noch höher ist der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte in der Textil- und Bekleidungsindustrie, die nach der Fusion mit der IG Metall ebenfalls "Metaller und Metallerinnen" sind. Mit gutem Grund sind die Betriebsräte unter dem Dach der Gewerkschaft:

Die IG Metall bietet Information, Beratung und Weiterbildungsmöglichkeiten für Betriebsratsmitglieder. Hinzu kommt: der Rückhalt einer durchsetzungsfähigen und erfahrenen Gewerkschaft gibt Mut, sich engagiert für die Interessen der Beschäftigten einzusetzen.

Wirksame Mitbestimmung und Einwirkungsmöglichkeiten des Betriebsrates sind allerdings nicht in allen Bereichen zufriedenstellend geregelt: zum Beispiel bei wirtschaftlichen Entscheidungen und bei der Einführung neuer Technik.

Deshalb ist eines der wichtigen Ziele der IG Metall, die Mitbestimmungsrechte zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auzuweiten.  

01.07.04 10:22

36845 Postings, 6334 Tage TaliskerDann steht aber auch die Frage im Raum,

ab wann man die AN-Rechte als schwach ansieht... Damit beziehe ich mich auf die Stimmung, die derzeit gemacht wird, angesichts lahmender Konjunktur AG-Interessen durchzudrücken. Was passiert, wenn z.B. die Gewerkschaften als Korrektiv ausgebootet werden, sieht man am "freiwilligen Selbstverpflichtungspakt" der Industrie bzgl. des Lehrstellenmangels. O-Ton eines IHK-Vorsitzenden: "Das ist kein Problem für uns, neue Lehrstellen zur Verfügung zu stellen." Da werden bisherige Lehrstellen einfach ein wenig umformuliert, zack, man hat neue Lehrstellen. Es sind nämlich neue, nicht zusätzliche Lehrstellen ausgehandelt worden... In dem Zusammenhang auch schön: Man schaue sich mal die Menge der Ausschreibungen der Banken für Praktikumsplätze an, die greifen sich lauter Hiwis für lau ab. Denn bezahlen tut das Arbeitsamt. "Freiwilliger Selbstverpflichtungspakt" der Industrie? Ein Witz.
Talisker  

01.07.04 10:33
2

41322 Postings, 7217 Tage Dr.UdoBroemmeDie Geschichte der Bundesrepublik hat gezeigt,

dass ein ungefähres Kräftegleichgewicht zwichen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite(Gewrkschaften) dem Standort Deutschland enorm gut getan hat.
Eine Verschiebung zu einer Seite wie im Augenblick, wo sich die Gewerkschaften als relativ schwach darstellen, könnte eine Gefährdung des sozialen Friedens bedeuten.
Und genau das war bisher einer der großen Standortvorteile Deutschlands. Ein Land in dem kaum gestreikt wurde und in dem sich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber nach manchmal schwierigen Verhandlungen im Endeffekt doch meist auf einen tragbaren Kompromiss geeinigt haben, mit dem alle leben konnten.


Truth is stranger than fiction, because fiction has to make sense
 

01.07.04 10:55

191 Postings, 6057 Tage haerte10Der soziale Frieden wird dadurch gefährdet,

dass wir innerhalb der Arbeitnehmerschaft eine Zweiklassengesellschaft bilden, nämlich zwischen denen die Arbeit haben und denen die arbeitslos sind. Bei schätzungsweise fünf Millionen Arbeitsplätzen, die am Standort Deutschland fehlen und der ab 2005 eingeführten schnellen Überführung in die Sozialhilfe, kann es nicht mehr vordergründig um die Besitzstandswahrung der Arbeitsplatzbesitzer gehen. Am Standort Deutschland werden nur neue Arbeitsplätze geschaffen, wenn sich hier Investitionen lohnen und da stehen wir bei offenen Grenzen nunmal im direkten Wettbewerb.

Bisher ist es nicht gelungen, den Verlust von Arbeitsplätzen zu stoppen. Die Kosten für alle Nichtbeschäftigten tragen die Beschäftigten in grossem Umfang mit. Auf der einen Seite ist die Unzufriedenheit über fehlendes Einkommen bei den Arbeitslosen und auf der anderen Seite der weiter wachsende Anteil von direkten oder indirekten Abgaben der Arbeitenden für die Finanzierung der Massenarbeitslosikeit und deren Folgen. Das ist wahrlich sozialer Zündstoff.

Die Zeiten haben sich geändert. In der Vergangenheit zu wühlen, um sich damit zu trösten, geht meilenweit an den neuen Herausforderungen vorbei.  

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