3D-Bilder erleichtern Orientierung

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eröffnet am: 14.09.05 11:13 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 1
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24466 Postings, 5900 Tage EinsamerSamariter3D-Bilder erleichtern Orientierung

Japanische Navigationssysteme sind multimediale Alleskönner

3D-Bilder erleichtern Orientierung

Navigationsgeräte in Japan bieten eine wesentlich bessere Orientierung als vergleichbare Geräte in Europa. Wie im Videospiel ziehen die Straßen Tokios vorbei.

HB TOKIO. Das zwanzigstöckige graue Hochhaus rechts, die vierstöckige braune Halle links. Cyber-Tokio maßstabsgetreu. Wer im ?Realview Modus? japanischer Navigationsgeräte einmal unterwegs war, dem kommen alle anderen Darstellungen auf den Displays wie alte Packman-Spiele auf dem Computer vor.

In Japan gibt es kein Sträßchen, kein Haus mehr, das nicht erfasst ist. Die Straßenkarten Japans ? von der Fläche etwa so groß wie Deutschland ? inklusive der 3D-Ansicht für die größeren Städte füllen die 8,4 Gigabyte einer DVD komplett, sagt Masaaki Kawahara von Panasonic Automotive Systems, dem zweitgrößten Anbieter in Japan. Da die meisten Straßen in Japan keine Namen haben, benötigt der Autofahrer eine solch genaue Orientierung, ?bei der er auch die Gebäude wieder erkennt?, sagt Motohiko Takayanagi, General Manager bei Pioneer, dem Marktführer für Navigationssysteme in Japan. Wer einmal versucht hat, ein Gebäude in Japan nur nach der Adresse zu finden, der weiß die Darstellungen auf den japanischen Navigationsgeräten zu schätzen.

Eine technische Besonderheit ist der so genannte 3D-Gyro, bei dem Sensoren die Höhe messen, auf der sich das Fahrzeug bewegt, und mit den GPS-Daten abgleichen. So findet das Navigationsgerät heraus, welche der übereinander verlaufenden Autobahnen ? von denen es in Tokio viele gibt ? der Fahrer ansteuern muss, um ans Ziel zu kommen.

Technisch seien solch detaillierte Karten im 3D-Modus auch für Europa möglich. ?Aber der Aufbau der entsprechenden Datenbasis verschlingt Zeit und Geld?, sagt Takayanagi. Er bezweifle, dass die Kunden in Europa bereit seien, mehr für ein Navigationssystem auszugeben. Die japanischen Geräte, die entweder mit DVD oder Festplatten laufen, kosten umgerechnet zwischen 1200 und 2500 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland werden fest eingebaute Navigationsgeräte inzwischen für 500 bis 1000 Euro angeboten.

Die Nachfrage nach Navigationssystemen hat sich in Japan seit 2000 verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden rund 3,5 Millionen Geräte ausgeliefert. Die grafische Aufbereitung des Kartenmaterials entscheidet über den Markterfolg der Navigationsgeräte. Pioneer und Panasonic stellen ihre Karten selbst her und passen sie regelmäßig an, während die anderen Anbieter die Daten von externen Anbietern einkaufen. ?So können wir die Karten schneller aktualisieren und sie besser von der Konkurrenz abheben?, sagt Panasonic-Experte Kawahara.

Die Navigationshilfen haben sich in Japan mittlerweile zu multimedialen Alleskönnern entwickelt, die zeigen, wohin es mit deutschen Geräten einmal in Zukunft gehen könnte. Sie enthalten mehr Daten. Mit Adressen und Telefonnummern von 30 Millionen Haushalten und 10 Millionen Geschäften werden sie von den Japanern sogar als Planungshilfe für das nächste Rendezvous genutzt. Wenn der Fahrer den gewünschten Ort im ?Date Planer? eingibt, findet das System die romantischsten Strecken in der Nähe, das Restaurant fürs Mittagessen mit Telefonnummer für die Reservierung und empfiehlt nette Besichtigungstouren auf dem Weg dorthin.

Die Navigationsgeräte integrieren zudem so ziemlich alle Speichermedien für den Musik- und Filmgenuss in einem Gerät. Per SD-Speicherkarte etwa können Bilder und Videos angeschaut werden, die Musik kommt von der Minidisk oder CD, und Filme werden von der DVD abgespielt.

Mit solchen Multimedia-Angeboten wollen die Hersteller die Margen anheben und die Nachfrage ankurbeln. Sie stehen unter dem Druck, jedes zweite Jahr völlig neue Modelle herauszubringen. In den Jahren dazwischen werden die Modelle mit leichten Veränderungen aufgefrischt. ?Der Kunde will das so?, sagt Kawahara. Andererseits ist eben diese Lust auf Neues, die Verspieltheit des Kunden ein Grund, warum sich die Navigationssysteme so schnell durchgesetzt haben.

Sanyo Electric versucht derweil, vor allem über portable Navigationsgeräte zu punkten. An der Verbindung von Handy und Navigationssystem arbeiten aber auch die anderen Hersteller. So können auf einige der Geräte inzwischen Aktualisierungen von Straßenkarten per Handy aufgespielt werden.



Multitalent

Höhenmesser: Japanische Navigationsgeräte orientieren sich nicht nur auf einer Straßenebene, sie behalten auch dann den Überblick, wenn verschiedene Autobahnen übereinander kreuzen. Dazu messen Sensoren die Höhe, in der sich das Auto bewegt, und kombinieren die Daten mit denen des Satellitennavigationssystem GPS.

Stauwarner: Viele japanische Navigationsgeräte berücksichtigen bei der Routenberechnung die aktuellen Stauprognosen. Honda hat jetzt sogar ein System herausgebracht, das bei einer Routenplanung für den nächsten Tag auf dem Handy anruft, wenn sich die Lage so drastisch verändert hat, dass der Nutzer früher losfahren sollte.

Sprachtalent: In Japan sind fast alle Mietwagen mit einem Navigationsgerät ausgestattet. Damit auch Ausländer die Fahranweisungen verstehen, werden sie auf Wunsch auch in Englisch angesagt.

Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 14. September 2005, 09:45 Uhr

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