100 000 Euro für die Ehefrau

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eröffnet am: 02.04.05 09:08 von: Luki2 Anzahl Beiträge: 4
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7538 Postings, 7096 Tage Luki2100 000 Euro für die Ehefrau

100 000 Euro für die Ehefrau

Der britische Europaabgeordnete Daniel Hannan über Verschwendungssucht und Selbstbedienung innerhalb der EU

von Daniel Hannan

Brüssel - Kürzlich war bekanntgeworden, daß viele Abgeordnete des Europäischen Parlaments die Gewohnheit haben, ihre Tagespauschale über 286 Euro zu beantragen, ohne tatsächlich den ganzen Tag in Brüssel zu verbringen. Einer meiner britischen Kollegen wurde fotografiert, als er sich morgens um 7.30 Uhr in die Anwesenheitsliste eintrug und dann nach Haus in seinen Wahlkreis fuhr.

Das Parlament hat schnell darauf reagiert: Von jetzt an ist Journalisten und Fotografen das Betreten des Gebäudes nur noch sehr eingeschränkt möglich, um den Abgeordneten einen ungestörten Dienstantritt zu gewähren.

In der Zwischenzeit erhöhen die Europaabgeordneten in aller Stille ihre Spesen. Vor wenigen Wochen wurden unsere Etats für Sekretariatsarbeiten um 2000 Euro auf 14 865 Euro im Monat erhöht. Das ist genug, um wirklich eine Sekretärin einzustellen und einen Forscher noch dazu - und dann hat man immer noch über 100 000 Euro im Jahr für die Ehefrau übrig. Es beschämt mich sehr, sagen zu müssen, daß die Beschäftigung von Familienmitgliedern unter britischen Europaabgeordneten besonders ausgeprägt ist. Fast alle von ihnen haben nahe Verwandte auf ihren Gehaltslisten. Ein französischer Kollege fragte mich einmal: "Was ist mit euch Engländern los? Ihr stellt eure Ehefrauen bei euch ein und schlaft mit euren Angestellten."

Dann ist da noch das ungewöhnliche System der Reisekostenerstattung, die uns den Gegenwert eines Vollpreistickets und dazu noch Kilometergeld zahlt - egal, was wir tatsächlich für die Reise ausgegeben haben. Wenn man also Billigflieger nutzt, kann man pro Woche ohne Schwierigkeiten noch weitere 1000 Euro einstecken - steuerfrei natürlich, weil es als Aufwendung und nicht als Einkommen zählt.

Dies alles erhalten wir noch zusätzlich zu den Spesen für "allgemeine Ausgaben", die kürzlich auf 3785 Euro pro Monat erhöht wurden. Diese sind symbolisch für Benzin-, Portokosten und ähnliches vorgesehen, aber sie werden nie überprüft. Diese Spesen werden direkt auf die Konten der Abgeordneten überwiesen, steuerfrei.

Warum ich Ihnen dies erzähle? Damit mache ich mir sicherlich keine Freunde. Indem ich diesen Artikel schreibe, ist es mehr oder weniger sicher, daß das Parlament demnächst irgendeine Anschuldigung gegen meine Person erfindet.

Aber ich bin der Ansicht, daß wir, bevor wir weitere wichtige Kompetenzen an Brüssel abtreten, innehalten und genau untersuchen sollten, wie Brüssel mit der Macht, über die es bereits verfügt, umgeht. Wenn sich die EU auf diese Art und Weise selbst verwaltet, können wir ihr wirklich die Kontrolle über die Außenpolitik, die innere Sicherheit, Immigration und andere Themen abtreten? Wenn Europaabgeordnete ihre eigenen finanziellen Verhältnisse nicht in Ordnung halten können, sind sie dann die richtigen Leute, um ihnen via die europäische Verfassung neue, wichtige Kompetenzen zu übertragen?

Solche Fragen werden nur selten gestellt, weil sich die EU der Auswirkungen des wertvollsten politischen Prinzips erfreut - im Zweifel für den Angeklagten. Die Tatsache, daß die EU das Ideal des friedlichen Zusammenlebens von Nationen verkörpern soll, führt dazu, daß die Leute nur ungern überprüfen, wie sie praktisch operiert. Über Korruption zu nörgeln scheint kleingeistig neben der Rhetorik der Verträge, die Kriege beenden und für die Verbreitung der Menschenrechte sorgen sollen. Das Problem ist, daß diese Einstellung - wie auch im Fall der UNO - ein Ausmaß von Amtsverstößen nach sich gezogen hat, das wir in einer gewählten nationalen Regierung nie tolerieren würden.

Die Ausnahme bildet Großbritannien, wo die EU niemals diesen Vertrauensvorschuß hatte und von daher der gleichen Überwachung durch die Medien ausgesetzt ist wie jede andere Organisation. Eurokraten, die die Kritik nicht gewöhnt sind, laufen rot an vor Ärger, wenn sie über die britischen Boulevardzeitungen reden. Sie werfen ihnen vor, eine Serie von Lügen zu drucken, um das europäische Projekt zu diskreditieren.

Wenn ich ehrlich bin, haben sie durchaus Anlaß zu Ärger. Immer wieder veröffentlichen die britischen Zeitungen wirklich einseitige Artikel über Brüssel. Aber das Gegenargument, nämlich daß die EU von den meisten Zeitungen auf dem Kontinent mit außerordentlicher Hochachtung behandelt wird, wird nie erwähnt. Dieser Umstand hat sich als schädlicher erwiesen als die EU-Feindschaft der britischen Boulevardblätter, weil er eine gewisse Selbstgerechtigkeit in Brüssel genährt hat. Wenn diese Kolumne dabei hilft, dieser Selbstgefälligkeit einen Stich zu versetzen, tue ich den Eurokraten einen Gefallen - aber ich erwarte keinen Dank von ihnen.

Daniel Hannan ist Europaabgeordneter der britischen Konservativen. Er schreibt künftig alle 14 Tage für die WELT.

A.d. Engl. von Marina Küchen

Artikel erschienen am Sa, 2. April 2005

Q:  http://www.welt.de/data/2005/04/02/620526.html

die EU Abzocker, dass solte man verhindern weil es Volksverarschung ist.

Schämt Euch Ihr EU-Politiker!

Gr. schönes Wochenende!  

02.04.05 10:44

10303 Postings, 7091 Tage chartgranateist zwar nicht neu,

da gab es ja schon einmal eine ausführliche mehrteilige "Serie" bei Jauchs Stern-TV in der ein EU - Abgeordneter mal den ganzen Dreck ausgepackt hat,der dort läuft........aber geändert hat sich nix und wenn ich von erhöhten Etats lese,dann zeigt das doch wie sicher man sich dort fühlt wenn man alles einfach noch ne Nummer bunter weiter treibt.......diese EU-Parlament ist ein wirtschaftlicher Selbstbedienungsladen auf höchstem Niveau bei minimalem Arbeitstress.Gibt wahrscheinlich keinen Job wo Du ein entspannteres Leben für so viel Geld hat.Es ist unglaublich,und keiner kann es stoppen.  

02.04.05 10:57

10092 Postings, 6002 Tage NoRiskNoFunKann man sich da bewerben ;-) o. T.

02.04.05 11:09

10303 Postings, 7091 Tage chartgranateder ideale Job für den

"50something"-Typen der es stilvoll ausklingen lassen will,wenig Arbeit,geringes Golfhandycap und die 10 Stunden-Woche als sein End-Lebensziel bennent.Also quasi alle hier.....leider sind die meisten (ich auch) noch viel zu jung!!
Allerdings ihr seht boysandgirls...es kann sich sehr lohnen in die Politik zu gehen.  

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